Herbstgrasmilben: Winzige, quälende Plagegeister für Ihr Pferd

08.11.2021 von Karsten Gemmeker

Herbstgrasmilben: Winzige, quälende Plagegeister für Ihr Pferd

Mit Mücken, Fliegen, Bremsen und lästigen Zecken haben Pferd und Reiter besonders in der warmen Jahreszeit zu kämpfen. Mit Beginn der feucht-kühlen Jahreszeit nimmt diese unschöne Belästigung dann endlich wieder ab. Doch Achtung: Jetzt machen sich gerne andere Winzlinge breit.

Am Pferdekörper fühlen sich im Herbst nun Milben besonders wohl. Speziell von der Herbstgrasmilbe droht schnell ein akuter Befall beim Pferd. Was Sie gegen diesen Parasiten vorbeugend tun können, wie Sie ihn rechtzeitig erkennen und was Sie über die Behandlung wissen sollten, ist Thema dieses Beitrags.

Wie entsteht der Herbstgrasmilben-Befall und welche Gefahr ist damit verbunden?

Herbstgrasmilben gehören von ihrer Spezies her zu den Spinnentieren. Sie leben parasitisch. Das bedeutet, sie beziehen ihre Nahrung von einem Wirt. Im Grunde können sie unterschiedlichste Säugetiere befallen und sind theoretisch sogar für den Menschen ansteckend, der sich jedoch als Fehlwirt erweist. Bei Mäusen, Hunden, Katzen und Pferden verbreiten sie sich gerne in besonderem Maße.

Ihr größtes Verbreitungsgebiet befindet sich in Süddeutschland. Allerdings ist diese Milbenart auch in anderen Teilen Deutschlands beheimatet. Der Lebenszyklus einer Milbe beginnt damit, dass aus dem Ei eine Larve schlüpft. Über ein Nymphenstadium entwickelt sich das adulte Tier. Die geschlüpften Larven werden aktiv, sobald die Luftfeuchtigkeit sich erhöht und die Temperaturen fallen. Sie warten − ähnlich dem Verhalten von Zecken − im Gras auf den nächstmöglichen, vorbeikommenden Wirt.

Die Herbstgrasmilben setzen sich dann bevorzugt von den Grashalmen aus an den leicht erreichbaren Körperstellen in etwa 5 bis 20 cm Höhe ab. Bei Ihrem weidenden Pferd sind deshalb Fußfesseln und Maul die bevorzugten Regionen. Dort auf der Haut angekommen, beißt sich die Herbstgrasmilbe fest. Auf ihrem Speiseplan stehen Hautgewebe und Lymphflüssigkeit. Der Speichelinhalt des Spinnentiers sorgt dafür, dass sich das Hautgewebe leicht fressen lässt. Nach Beendigung ihrer Mahlzeit lässt sich die Milbe fallen, um sich einige Zeit später einen neuen Wirt zu suchen. Neben Juckreiz und dadurch entstehenden Wunden mit entzündlichen Prozessen können Mauke, Schuppen- und Pilzbefall eine Folgeerscheinung von einer Infektion durch Herbstgrasmilben sein.

Kleiner Biss mit großer Wirkung: Wenn eine Allergie ausgelöst wird

Im Allgemeinen ist der Biss einer Larve von der Herbstgrasmilbe für das Pferd nicht weiter gefährlich, sondern in erster Linie unangenehm. Es kann jedoch allergische Reaktionen auf die Spucke geben. Außerdem bedeuten Hautverletzungen immer auch eine Infektionsgefahr.

Deshalb sollten Sie aufmerksam sein und nach dem Erkennen von einem Milbenbefall betroffene Stellen immer sorgsam pflegen. Häufig werden Sie die Herbstgrasmilben als Parasiten nicht direkt an Ihrem Pferd zu sehen bekommen, denn das winzige Ungeziefer ist mit dem bloßen Auge im Fell kaum erkennbar und öfters schon verschwunden, um sich auf dem nächsten Wirt niederzulassen. Für Sie werden dann folgende Symptome erkennbar bleiben:

  • um die Bisswunde herum entstehen lokale Pusteln
  • auf der Haut befinden sich Krusten oder Knötchen
  • es bestehen kahle Stellen im Fell
  • ein Juckreiz ist vorhanden
  • nässende Wundstellen durch Kratzen
  • Folgeentzündungen werden ersichtlich

Was tun beim Verdacht auf Herbstgrasmilben?

Nicht immer lässt sich sofort eine eindeutige Diagnose treffen, zumal eine Verwechslungsgefahr mit Mauke nicht ausgeschlossen ist. Da die Herbstgrasmilben sich bevorzugt an die Körperbereiche setzen, die für sie aus dem Gras heraus leicht zu erreichen sind, überprüfen Sie diese Regionen im Verdachtsfall besonders gründlich! Das betrifft die Beine sowie den Kopf des Pferdes − vor allem um das Maul herum. Bei genauem Hinsehen sind manchmal die ca. 3 mm großen, ausgewachsenen Tiere als weißliche Punkte erkennbar. Bleibt es bei Ihrem Verdacht, dass bei Ihrem Pferd ein Milbenbefall vorhanden sein könnte, ist es sinnvoll, sich über einen einfachen Test durch den Tierarzt Gewissheit zu verschaffen. Er besorgt sich eine Probe, indem er minimal Haut und Fell ablöst. Diese wird sowohl auf Speichelrückstände als auch auf die Spinnentiere selbst hin untersucht. Bei positivem Ergebnis können Sie Ihrem Pferd durch eine effektive Behandlung helfen.

Die erfolgreiche Anti-Milben-Strategie beim Pferd

Schritt Nummer eins: Gründliche Entfernung der Larven

Vor der eigentlichen Behandlung gilt es, das lästige Ungeziefer loszuwerden, damit es keine weiteren Wunden verursacht. Untersuchen Sie Ihr Pferd − am besten während des täglichen Putzens − auf kleine, helle Pünktchen im Fell. Dafür brauchen Sie einen sehr aufmerksamen Blick. Sobald Sie eine befallene Stelle gefunden haben, können Sie die Milben entweder ganz vorsichtig mit einem Rasiermesser oder durch Einsatz einer Schermaschine entfernen. Eine Alternative dazu ist eine Mischung aus Obstessig und Wasser. Mit dieser Lösung werden die Larven erstickt und lassen sich anschließend mit Seife und Wasser abwaschen. Ist der Befall schon aggressiv oder reagiert die Haut Ihres Pferdes besonders empfindlich, können Sie noch sanfter vorgehen, indem Sie ein desinfizierendes Shampoo benutzen.

Schritt Nummer zwei: Behandlung des unangenehmen Juckreizes

Wenn Ihr Pferd gebissen wurde, setzt innerhalb der nächsten 24 Stunden ein anhaltender Juckreiz ein. Am besten ist es natürlich, wenn Sie diesen möglichst effizient hemmen können. Denn dann beginnt das Tier gar nicht erst, sich an den befallenen Stellen zu schaben, wodurch die Entstehung offener Wunden verhindert wird. Zu diesem Zweck können Sie zum Einreiben der betroffenen Regionen Schwarzkümmelöl verwenden. Die darin enthaltenen Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend. Aloa Vera und Propolis haben ebenfalls eine antihistamine, hautberuhigende Wirkung. Da der Juckreiz ein bis zwei Wochen anhalten kann, sollte in diesem Zeitraum eine tägliche Behandlung erfolgen. So sorgen Sie bei Ihrem Pferd für eine anhaltende Linderung.

Gute Präventionsmaßnahmen: schnelle Wundversorgung und Abwehrmittel

Sind trotz allen juckreizstillenden Maßnahmen Wunden entstanden, sollten Sie diese sofort behandeln. z. B. mit einer zinkhaltigen Wundheilsalbe. Zur Vermeidung von bakteriellen Infektionen können Sie Teebaumöl benutzen. Hier ist ein Vorabtest auf allergische Reaktion sinnvoll, um die Verträglichkeit sicherzustellen. Betupfen Sie zunächst nur eine kleine Hautstelle! Neemöl sowie Kokosöl wird eine abwehrende Wirkung auf das schädliche Ungeziefer nachgesagt. Diese Öle sind rein pflanzlich und neben anderen Parasitenschutzmitteln für die Freifläche als probate Hausmittel verwendbar.

Mineralfutter: Ein gestärktes Immunsystem wehrt erfolgreich ab

Ein Herbstgrasmilbenbefall greift im ungünstigsten Fall mit der Zeit das Immunsystem Ihres Pferdes an. Mit dem richtigen Futter stärken Sie das Immunsystem Ihres Tieres erfolgreich. Achten Sie im Spätsommer und Herbst deshalb auf einen höheren Anteil an Zink, Selen und Kupfer im Futter. Weitere natürliche Zusatzstoffe wie bspw. Echinacea können eine vorbeugende Wirkung entfalten und dabei helfen, eine Herbstgrasmilbenallergie zu vermeiden.

Fazit: Milbenbefall − die Winzlinge konsequent in Schach halten

Wer einmal einen Milbenbefall und dessen Folgen bei seinem Pferd erlebt hat, weiß, wie nervig und hartnäckig diese Quälgeister werden können. Der Behandlungsprozess, um alle Larven nachhaltig zu vernichten, muss konsequent wiederholt werden. Die regelmäßige Kontrolle der Anzeichen auf mögliche Parasiten erweist sich als wertvoll. Denn einmal entdeckt, haben Sie die Möglichkeit, frühzeitig ein Ausbreiten dieser kleinen Biester und mit ihnen verbundene Folgeerkrankungen erfolgreich zu verhindern.

Beitrag als Video zusammengefasst

Über den Autor

Karsten Gemmeker

DIPO-Pferde-Osteotherapeut
- Pferdeosteopathie in Österreich, Schweiz und Deutschland

Staatlich anerkannter Physiotherapeut
- Praxis für Krankengymnastik

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